Sozialpädagogische Handlungsgrundlagen

Bezugspersonenarbeit / Fallführung

Bei Eintritt eines Kindes oder eines Jugendlichen ins Kinderheim Heimelig wird eine Bezugsperson bestimmt. Diese übernimmt die Bezugspersonenarbeit und die Fallführung, wenn möglich während des gesamten Aufenthalts des Kindes oder des Jugendlichen im Heim.

In der Fallführung werden standardisierte Instrumente verwendet, um den Entwicklungsprozess des Kindes oder des Jugendlichen zu erfassen und zu überwachen.

Die Hauptinstrumente dazu sind das Tagesjournal, die 2x jährlich stattfindenden Standortbestimmungen und die Förderplanung.

Pädagogische Arbeit

Wir sind uns im Klaren darüber, dass ein Verhalten immer im Kontext gesehen werden muss. Das Verhalten der Kinder und Jugendlichen kann oft durch den jeweiligen Kontext erklärt werden, in dem sie sich gerade befinden. Die dort geltenden Spielregeln oder impliziten Regeln steuern das Verhalten des Kindes oder des Jugendlichen. Die Anzahl möglicher Kontexte ist fast unbegrenzt.

Wir konzentrieren uns nicht nur auf die einzelne Person, sondern auf die Beziehungsmuster zwischen dem Kind oder dem Jugendlichen und seinen Systemen. Da Pädagogik immer auf Veränderungen hin ausgerichtet ist, sollte sie auch mit Grundprämissen arbeiten, die die Möglichkeit und die Selbstverständlichkeit der Veränderung beinhalten. (Winfried Palmowski, 2010)

Unsere Sichtweise bezieht folgende Systeme mit ein:

• das Klientensystem, d.h. Eltern, Grosseltern und andere nahe Bezugspersonen,

• das interne Hilfssystem, d.h. Bezugsperson, Sozialpädagogisches Team, Heimleitung

• das externe Hilfssystem, d.h. Behörden, Lehrpersonen, Ärzte, Psychologen, Psychiater usw.

All diese Systeme beeinflussen sich gegenseitig und müssen deshalb gut miteinander arbeiten, damit sich das Kind oder der Jugendliche bestmöglich entwickeln kann.

Wir müssen in einem ständigen Austauschprozess mit den verschiedenen Systemen stehen und eine transparente Kommunikation pflegen.

Elternarbeit

Die Herkunftsfamilie ist für das Kind und den Jugendlichen wichtig und zentral. Deshalb wird sie, wenn immer möglich, in die Planung des Aufenthaltes sowie die Zielformulierung mit einbezogen. Wir versuchen einen regelmässigen Kontakt mit der Herkunftsfamilie zu pflegen, damit ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann.

Die Ferien- und Wochenendregelung wird den jeweiligen Situationen und den Bedürfnissen jedes einzelnen Kindes oder Jugendlichen angepasst. Wenn der Kontakt mit der Herkunftsfamilie aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, sind wir bestrebt, mit den zuweisenden Stellen eine geeignete Lösung zu finden (z.Bsp. eine Kontaktfamilie), damit das Kind oder der Jugendliche sich nicht immer im Kinderheim aufhalten muss.

Offenheit und Transparenz in Bezug auf gegenseitige Erwartungen, Ziele und Aufgaben und die Kooperation mit der Herkunftsfamilie erfordern regelmässige Gespräche.

Das sozialpädagogische Team ist Ansprechpartner für alltägliche und organisatorische Belange (Kleider, schulische Betreuung usw.) und auch für pädagogische Fragen für die Herkunftsfamilie. Bei wichtigen Entscheidungen, wie z. Bsp. in Notfällen, neuen Regelungen, Standortbestimmungen oder beim Planen des weiteren Vorgehens, nimmt die Heimleitung oder die Gruppenleitung an den Gesprächen teil.

Individualität

Wir sehen wir jedes einzelne Kind bzw. jeden Jugendlichen als Individuum. Wir orientieren uns an seinen Stärken und unterstützen ihn auf seinem Lebensweg. Dabei wird die Würde des einzelnen respektiert. Jede/ jeder hat die Fähigkeit, sich zu verändern und sich weiterzuentwickeln, manchmal braucht es nur eine helfende Hand, um Veränderungsprozesse auszulösen oder um Sicherheit zu geben. Dies ist für jeden Menschen unterschiedlich.

Wir sind der Meinung, dass jedes Kind / jeder Jugendliche danach strebt sein Leben selber zu bestimmen, ihm einen Sinn und ein Ziel zu geben. Unsere Arbeit wird es sein, sie dabei zu unterstützen.

Das bedeutet für unsere Arbeit, dass mit jedem Kind und Jugendlichen gemeinsam, zusätzlich zu den Grundregeln - wie z.Bsp. dass im Kinderheim keine Waffen toleriert werden - individuelle Regeln und Vereinbarungen ausgearbeitet und getroffen werden. So können beispielsweise die Ausgangszeiten oder Schlafenszeiten angepasst werden.